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Kann CBD bei Angststörungen helfen? Wirkungsweise, Studienlage und Risiken

Kann CBD bei Angststörungen helfen? Wirkungsweise, Studienlage und Risiken

Kann CBD bei Angststörungen helfen? Wirkungsweise, Studienlage und Risiken

Was ist CBD und wie wirkt es im Körper?

Cannabidiol (CBD) ist ein nicht-psychoaktiver Wirkstoff der Cannabispflanze und gehört zur Gruppe der Cannabinoide. Im Gegensatz zu Tetrahydrocannabinol (THC) verursacht CBD keinen „Rausch“ und wird daher vermehrt im Kontext von Stress, Schlafproblemen und Angststörungen diskutiert. Im Mittelpunkt steht dabei das sogenannte Endocannabinoid-System (ECS), das an der Regulation von Stimmung, Stressreaktionen, Schlaf, Schmerzempfinden und Immunsystem beteiligt ist.

Das ECS besteht aus körpereigenen Cannabinoiden (Endocannabinoiden), Rezeptoren (vor allem CB1- und CB2-Rezeptoren) sowie Enzymen, die diese Stoffe auf- und abbauen. CBD bindet nicht direkt an CB1 oder CB2, sondern moduliert verschiedene Rezeptorsysteme, etwa:

In Tier- und Zellstudien konnte gezeigt werden, dass CBD sowohl anxiolytische (angstlösende) als auch antidepressive Effekte entfalten kann, unter anderem durch eine verstärkte Signalübertragung im Serotoninsystem und eine Dämpfung übermäßiger Stressreaktionen im limbischen System (Amygdala, Hippocampus).

Angststörungen: Formen, Symptome und konventionelle Therapie

Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. In Deutschland leiden laut Robert Koch-Institut (RKI) schätzungsweise 15–20 % der Bevölkerung im Laufe des Lebens an einer klinisch relevanten Angststörung. Zu den wichtigsten Formen zählen:

Die leitliniengerechte Therapie in Deutschland umfasst in der Regel eine Kombination aus Psychotherapie (vor allem kognitive Verhaltenstherapie) und – je nach Schweregrad – Pharmakotherapie, typischerweise mit Antidepressiva (z.B. SSRI, SNRI). Diese Standardtherapien sind gut untersucht und in den S3-Leitlinien (z.B. „Behandlung von Angststörungen“, Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde, DGPPN) verankert.

CBD wird aktuell eher als komplementäre Option diskutiert, wenn Betroffene trotz Standardtherapie weiterhin belastet sind oder bestimmte Medikamente nicht vertragen. Eine eigenständige Behandlung einer Angststörung ausschließlich mit CBD wird von Fachgesellschaften bislang nicht empfohlen, da die Datenlage noch begrenzt ist.

Studienlage: Kann CBD bei Angststörungen helfen?

Die wissenschaftliche Evidenz zu CBD bei Angststörungen ist im Aufbau, aber noch nicht so umfassend wie für etablierte Psychopharmaka. Die vorhandenen Daten stammen überwiegend aus:

Akute Wirkung bei situativer Angst

Eine der bekanntesten Studien stammt von Bergamaschi et al. (2011, Journal of Psychopharmacology). In einem Placebo-kontrollierten Design erhielten Patienten mit sozialer Angststörung einmalig 600 mg orales CBD oder Placebo und mussten anschließend eine öffentliche Rede halten. Die CBD-Gruppe zeigte im Vergleich zu Placebo:

Ähnliche Ergebnisse fanden sich in früheren Studien an gesunden Probanden unter experimentell induzierter Angst, was auf eine akute anxiolytische Wirkung von CBD in Stresssituationen hindeutet.

Längerfristige Anwendung bei Angst und Schlafstörungen

Ein häufig zitierter, wenn auch methodisch begrenzter, klinischer Ansatz stammt von Shannon et al. (2019, The Permanente Journal). In einer offenen Beobachtungsstudie erhielten 72 Patienten mit Angst- und Schlafstörungen CBD in Dosen zwischen 25 und 175 mg/Tag. Nach einem Monat zeigte sich:

Diese Studie hat kein Placebo-Kontroll-Design und ist daher nicht beweisend, spricht aber für ein klinisch relevantes Potenzial von CBD zur Unterstützung bei Angst- und Stresssymptomen.

Neurobiologische Mechanismen

Neuroimaging-Studien legen nahe, dass CBD die Aktivität in Hirnregionen moduliert, die für Angstverarbeitung zentral sind – insbesondere in der Amygdala, im Hippocampus und im anterioren cingulären Cortex. Fusar-Poli et al. (2010, Journal of Psychopharmacology) konnten mittels funktioneller MRT zeigen, dass CBD die Angstreaktion auf bedrohliche Reize im Vergleich zu Placebo abschwächt.

Tierstudien und präklinische Daten

In verschiedenen Tiermodellen (z.B. „elevated plus maze“, „Vogel-Konflikt-Test“) zeigt CBD dosisabhängig anxiolytische Effekte, die teilweise vergleichbar mit klassischen Anxiolytika (z.B. Benzodiazepine) sind, jedoch ohne ausgeprägte Sedierung oder Abhängigkeitspotenzial. Dies unterstützt den Verdacht auf ein günstiges Wirkprofil, muss aber in groß angelegten Humanstudien bestätigt werden.

Aktuelle Bewertung der Evidenz

Systematische Reviews (z.B. Blessing et al., Neurotherapeutics 2015; Lincourt et al. 2022) kommen übereinstimmend zu dem Schluss:

Für die klinische Praxis bedeutet dies: CBD kann als komplementärer Ansatz in Erwägung gezogen werden, sollte jedoch evidenzbasierte Standardverfahren nicht ersetzen.

Rechtliche Lage von CBD in Deutschland

Die rechtliche Situation von CBD-Produkten in Deutschland ist komplex und hängt von mehreren Faktoren ab: THC-Gehalt, Darreichungsform, Zweckbestimmung (Lebensmittel, Kosmetikum, Arzneimittel) und Werbeaussagen. Wichtige Rechtsgrundlagen sind unter anderem:

Für Konsumenten bedeutet dies: In Deutschland sind CBD-Öle und -Extrakte mit sehr geringem THC-Gehalt (< 0,2 % in der Praxis, je nach Auslegung) in vielen Shops erhältlich, bewegen sich aber teilweise in einer rechtlichen Grauzone, insbesondere wenn sie als Nahrungsergänzungsmittel angeboten oder mit gesundheitsbezogenen Aussagen beworben werden. Medizinische CBD-Arzneimittel (z.B. Rezepturpräparate) unterliegen klar dem AMG und sind verschreibungspflichtig.

Mögliche Vorteile von CBD bei Angststörungen

Auch wenn die Evidenz noch begrenzt ist, sprechen einige Aspekte dafür, dass CBD bei Angststörungen unterstützend wirken kann:

Wichtig ist dennoch, dass diese potenziellen Vorteile immer im Rahmen einer individuellen, ärztlich begleiteten Gesamttherapie bewertet werden.

Risiken, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen von CBD

Trotz des oft „natürlichen“ Images von Hanfprodukten ist CBD keineswegs risikofrei. Zu den dokumentierten unerwünschten Wirkungen zählen, insbesondere bei höheren Dosen:

Ein wesentlicher Punkt sind Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln. CBD wird über Cytochrom-P450-Enzyme (z.B. CYP3A4, CYP2C19) in der Leber abgebaut und kann diese Enzyme hemmen. Dadurch kann der Blutspiegel anderer Medikamente steigen, etwa von:

Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte die Anwendung von CBD daher unbedingt mit Ärztin oder Arzt sowie ggf. der Apotheke abklären.

Zudem ist die Qualität von frei verkäuflichen CBD-Produkten sehr unterschiedlich. Untersuchungen (u.a. durch Verbraucherzentralen) fanden wiederholt Produkte mit:

Der Kauf bei seriösen Anbietern mit transparenten Analysenzertifikaten (Laborberichte zu CBD-/THC-Gehalt und Schadstoffen) ist daher essenziell.

Anwendung und Dosierung: Was sagen aktuelle Empfehlungen?

Für die Anwendung von CBD bei Angststörungen existieren in Deutschland keine einheitlich anerkannten, evidenzbasierten Dosierungsempfehlungen. Studien verwenden teilweise sehr unterschiedliche Dosierungen (von 20–25 mg/Tag bis hin zu 600–800 mg als Einzeldosis). Zudem ist zwischen frei verkäuflichen Produkten und medizinischen CBD-Präparaten zu unterscheiden.

Für die Praxis haben sich folgende Leitgedanken etabliert:

Für verschreibungspflichtige CBD-Arzneimittel (z.B. in der Epilepsie-Therapie) gelten strengere Dosierungsschemata und Kontrollen, die sich nach der jeweiligen Fachinformation und ärztlichen Anordnung richten.

Wann ist ärztliche Hilfe unbedingt erforderlich?

Wer unter anhaltender, belastender Angst leidet, sollte nicht allein auf CBD oder andere frei verkäufliche Mittel setzen. Eine ärztliche oder psychotherapeutische Abklärung ist besonders wichtig, wenn:

In vielen Fällen kann eine Kombination aus Psychotherapie, Lebensstilmaßnahmen (Bewegung, Schlafhygiene, Stressmanagement) und ggf. medikamentöser Behandlung sehr wirksam sein. CBD kann – wenn sinnvoll und sicher eingesetzt – ein ergänzender Baustein sein, sollte aber nicht als alleinige Lösung betrachtet werden.

CBD bei Angststörungen: Einordung für die naturheilkundliche Praxis

In der Naturheilkunde und Phytotherapie fügt sich CBD in ein breiteres Spektrum pflanzlicher Strategien zur Unterstützung bei Angst, Stress und Schlafproblemen ein. Dazu zählen unter anderem:

Im Vergleich zu vielen dieser traditionellen Phytotherapeutika ist CBD wissenschaftlich bereits recht intensiv untersucht, wenn auch noch nicht mit derselben Studienbreite wie konventionelle Psychopharmaka. Für Patientinnen und Patienten, die einen ganzheitlichen Ansatz suchen, kann CBD – sorgfältig und informiert angewendet – ein ergänzendes Instrument sein, insbesondere wenn klassische naturheilkundliche Maßnahmen (z.B. Entspannungstechniken, Bewegung, Pflanzenauszüge) nicht ausreichend wirken.

Entscheidend bleibt, dass jede Anwendung in ein individuelles, seriös begleitetes Behandlungskonzept eingebettet wird, das sowohl die aktuelle Studienlage als auch die rechtlichen und sicherheitsrelevanten Rahmenbedingungen in Deutschland berücksichtigt.

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